Achtsamkeit – Mythos oder Trendwort?

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Was ist Achtsamkeit?

Auf den ersten Blick scheint die Definition von Achtsamkeit recht banal:

Achtsamkeit beschreibt das bewusste, sinnliche Wahrnehmen der Gegenwart, ohne dabei zu werten.

Sie werden sich nun fragen: „Was ist denn daran bitte schön so besonders?!“

, indem wir diese Definition etwas genauer betrachten, wird Ihnen klar werden, was Achtsamkeit ausmacht. Hierfür teilen wir sie in zwei Teile.

1. Achtsamkeit durch bewusstes und sinnliches Wahrnehmen der Gegenwart

Kann ja wohl nicht so schwer sein…

Doch halten Sie einen Moment inne und stellen Sie sich folgende Fragen:
Welche Menschen sind Ihnen heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit oder zum Supermarkt begegnet? Hat Ihnen jemand zugelächelt? Wie viele Ampeln haben Sie unterwegs passiert? Und wie hat Ihnen eigentlich Ihre letzte Mahlzeit geschmeckt?

Bei genauerem Hinsehen werden Sie wahrscheinlich feststellen, dass Sie sich im Alltag sehr selten gedanklich im Hier und Jetzt befinden. Das kontinuierliche Rattern der Gedanken über die Zukunft und die Vergangenheit setzt uns wahre Scheuklappen auf.

Selbstverständlich müssen Dinge geplant werden und das Reflektieren der Vergangenheit ermöglicht, dass wir unsere Handlungsweisen optimieren.

Dabei vergessen wir jedoch häufig Folgendes:

Die Gegenwart ist der einzige Augenblick, den wir aktiv gestalten können.

Wie gehe ich mit meinen Mitmenschen, meiner Umwelt um? Wie gehe ich mit mir selbst um? Das lässt sich bis ins Unendliche planen, doch die Umsetzung erfolgt im Hier und Jetzt. Daher sollten wir uns unbedingt in der Gegenwart befinden und sie mit allen Sinnen wahrnehmen. Achtsamkeit ist ein hilfreiches Werkzeug, um sich dieser Erkenntnis bewusst zu werden und sie zu nutzen. Sie lässt sich wirklich einfach in den Alltag einbauen, sogar ohne zusätzlichen Zeitaufwand.

2. Achtsamkeit durch Wahrnehmen, ohne dabei zu werten

Um im Alltag möglichst gut zurecht zu kommen, haben wir gelernt, neue Sinneseindrücke mit Erfahrungswerten abzugleichen und sie dementsprechend zu bewerten. Auch das geht völlig automatisch.

Zunächst sind diese Automatismen nichts Schlechtes. Riechen wir frisches Gebäck, erinnert uns das beispielsweise an Omas Hefezopf, der immer unheimlich lecker schmeckte. Ohne das Gebäck gesehen zu haben, wird es bereits positiv bewertet.

Jedoch auch negative Assoziationen beeinflussen uns alltäglich.

Die Maus wird zum Elefanten

Werden Sie zum Beispiel in das Büro des Vorgesetzten eingeladen, bekommen Sie vielleicht sofort kalte Füße, Ihre Brust wird eng und Sie haben Angst.
Sie knüpfen unterbewusst eine gedankliche Verbindung  zu einem besonders einschneidenden Erlebnis, als Sie damals eine Standpauke vom Chef erhalten haben.

Dass das schon einige Jahre her ist und Sie heute überhaupt nichts verbrochen haben, kommt Ihnen erst gar nicht in den Sinn.
Durch Achtsamkeit lernen Sie in genau diesen Situationen Ihren Blickwinkel zu weiten. So verhindern Sie diese körperliche Anspannung und können Ihrem Vorgesetzten wesentlich ruhiger entgegentreten. Durch Gewohnheiten verlieren wir oftmals den Blick fürs Detail. Zudem neigen wir dazu, jegliche Sinneseindrücke zu bewerten.

Wir möchten kontrollieren, unsere Umgebung verstehen und erklären können. Mithilfe von Achtsamkeit werden Sie erneut lernen, diese Kontrolle abzugeben und sich somit freier zu fühlen. Denn sobald wir uns selbst den Wind aus den Segeln nehmen und versuchen objektiver und weniger wertend zu denken, fühlen wir uns automatisch freier. Wir nehmen uns selbst die Last des Strebens, alles richtig machen zu müssen. Wenn Sie mithilfe von Achtsamkeitsübungen auch Ihren Alltag achtsamer gestalten, können Sie von einer Reihe von Vorteilen profitieren.

Wirkung von Achtsamkeit

1. Bei der Sache bleiben durch Achtsamkeit

Sind Sie schon einmal zielstrebig an einen Ort gelaufen und haben, dort angekommen, vergessen, was Sie dort überhaupt wollten? Oder haben Sie sich schon dabei ertappt, sich inmitten einer Arbeitsaufgabe völlig in Gedanken zu verlieren und abzuschweifen?

Ein klarer Fall von starker Stressbelastung.

Indem Sie Achtsamkeit üben, wird Ihnen das nicht mehr so häufig passieren. Sie verbessern Ihre Fähigkeit, sich länger auf eine Sache konzentrieren zu können ohne abzuschweifen. Somit steigern Sie Ihre Leistungsfähigkeit und Produktivität in jeder Lebenslage. Sie werden nicht nur im Beruf fokussierter arbeiten können, sondern sich auch nach Feierabend vollkommen darauf konzentrieren können, was Ihnen Ihre Kinder beim erzählen.

2. Präzisere Wahrnehmung durch Achtsamkeit

Streitereien und andere Probleme entstehen häufig aufgrund von Missverständnissen. Sie hätten verhindert werden können, wenn man sich gegenseitig besser zugehört hätte oder die Umstände genauer betrachtet hätte.

Hätte, hätte, Fahrradkette. Vergangenes ist nicht mehr umzukehren. Doch in Zukunft können Sie Missverständnisse durch Achtsamkeit umgehen. Achtsamkeit ermöglicht Ihnen, dass Sie im Umgang mit anderen Menschen besser zuhören können und Ihr Empathievermögen gesteigert wird. Dadurch kommt es zu weniger Missverständnissen und es fällt Ihnen leichter, Handlungen anderer zu verstehen und zu akzeptieren. Zudem Sie Ihr Umfeld präziser wahr. Das führt dazu, dass Sie kleine Details sowie Zusammenhänge leichter erkennen.

3. Freude am Unbekannten durch Achtsamkeit

Auch wenn wir es nicht gerne zugeben, ein kleines bisschen Schubladendenken steckt doch in uns allen, oder? Das gilt nicht nur in Bezug auf andere Personen, sondern auch in Bezug auf Gegenstände, Orte, Kulturen und vieles mehr. Mit den Jahren beeinflussen immer mehr Erfahrungswerte unsere Einschätzung von Neuem. Wir bewerten oftmals alles Fremde, bevor wir es überhaupt richtig kennengelernt haben.

Doch brauchen wir diese Vorurteile immer und überall oder schränken sie uns schlicht in unserer Wahrnehmung ein?

Durch Achtsamkeit finden Sie den Weg zurück zu Ihrem inneren Kind, das neuen offen und ohne Wertung entgegen treten kann. Sie werden staunen, welche Bereicherungen sie durch mehr Unvoreingenommenheit erfahren werden.

4. Scheuklappen ablegen durch Achtsamkeit

Kinder betrachten die Welt noch voller Faszination und Neugierde. Ein Beispiel: Auf der Terrasse eines Cafés sammelt am Nebentisch ein Spatz fleißig die Brotkrumen zusammen. Während ein Kind dieses Treiben fröhlich und eingängig beobachten würde, hätten viele Erwachsene diesen Spatz vielleicht überhaupt nicht wahrgenommen. Dabei wäre es auch für sie eine schöne Beobachtung, die ihnen ein Lächeln ins Gesicht und Glückshormone ins Gehirn zaubern würde.

Mit Achtsamkeit nehmen Sie Ihre Umwelt wieder klarer wahr und können den Blickwinkel staunenden Kindes einnehmen. Sie werden überrascht sein, welche wunderbaren Entdeckungen sich Ihnen auf diese Weise offenbaren.

5. Geförderte Kreativität und Innovation durch Achtsamkeit

Durch über die Jahre festgefahrene Strukturen, ob privat oder im Berufsleben, kann sich eine gewisse Monotonie einschleichen. Außerdem ist die sogenannte Betriebsblindheit ein weitverbreitetes Phänomen. Mit der oben erwähnten Offenheit erweitern Sie Ihren Horizont und Ihr Bewusstsein. Achtsamkeit kann Ihnen im wahrsten Sinne des Wortes die Augen öffnen. Sie beginnen innovative Gedanken zu verfolgen und eine kreative Denkweise fällt Ihnen viel leichter.

Das Betrachten auf unschuldige und unvoreingenommene Weise ermöglicht uns neue Perspektiven und viele Handlungsalternativen.

Achtsamkeit kann jeder (wenn er will)

Die zahlreichen positiven Auswirkungen von Achtsamkeit haben hoffentlich auch Sie überzeugen können. Doch nun fragen Sie sich möglicherweise, ob Sie das denn überhaupt können? Oder ist Achtsamkeit nur etwas für Meditations-Gurus und buddhistische Mönche?

Nein. Achtsamkeit kann wirklich jeder. Doch, wie bei allen neuen Dingen, muss auch Achtsamkeit erlernt und geübt werden.

Da wir ständig äußeren Reizen ausgesetzt sind und auch unser Gehirn es gewohnt ist,  zu jeder Zeit aufnahmefähig zu sein, sind die ersten Achtsamkeitsübungen mit Überwindung verbunden. Doch auch hier gilt: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Sie anfangs noch oft gedanklich abschweifen und verurteilen Sie sich dafür nicht. Nehmen Sie es wahr und versuchen Sie erneut, sich auf die Übung zu konzentrieren. Sie werden überrascht sein, welche angenehmen Erfahrungen Ihnen ein achtsameres Leben schon bald offenbaren wird.

Hier finden Sie praktische Achtsamkeitsübungen.

Achtsamkeit in Kürze

Hier finden Sie einen kurzen Überblick über den Artikel. Wenn Sie etwas zu einem der Punkte nachlesen wollen, kommen Sie durch den blauen Link zu dem entsprechenden Absatz.

Achtsamkeit beschreibt:

Positive Wirkung von Achtsamkeit: